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Stubaier Höhenweg Teil 3 – von der Nürnberger Hütte zur Innsbrucker Hütte

Tag 1: Anreise und Aufstieg zur Nürnberger Hütte

Mit 2 PKW und dem Bus von Thomas und Birgit starteten wir pünktlich um 07:05 Uhr vom P+R an der A7 in Richtung Stubaital, um in diesem Jahr den Stubaier Höhenweg zu vollenden. Die Hitze des Sommers 2018 meinte es auch heute gut mit uns, denn 30 Grad sollte es im Stubaital werden. Die für den 01.08. angekündigte Schlechtwetterfront verschob sich Tag um Tag, so dass wir in den nächsten 5 Tagen mit schönem, stabilen Wetter zu rechnen hatten. Gute Voraussetzungen für unser Highlight, den Habicht 3277 m der am 04.08.18 auf unserem Plan stand.

Treffpunkt war das Cafe „Zugspitzblick“ um von dort aus gemeinsam zum Parkplatz der Talstation Elferbahnen zu fahren. Dort konnten wir kostenlos parken. Bei heißen 30 Grad und in praller Sonne machten wir uns startklar, kommen wir doch erst in 4 Tagen zu unseren geliebten, klimatisierten Fahrzeugen zurück. Im festen Glauben, alles Wichtige dabei zu haben machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle in Neder. Von hier ging es einige Stationen bis nach Ranalt zum Beginn unserer Tour. Gemütlich ging es auf einem Forstweg durch einen schattigen Wald zur Bsuechalm. Die ersten 280 Hm waren in einer knappen Stunde geschafft. Eine Tasse Kaffee und ein leckerer Kuchen tat erst mal richtig gut. Was für ein Wunder! Gleich nebenan war die Talstation der Materialseilbahn zur Nürnberger Hütte. Ein Anruf beim Hüttenwirt und er schickte uns die kleine Gondel. Acht schwere Rücksäcke nahmen darin Platz, aber auch in diesem Jahr ließen es sich einige nicht nehmen, ihren Rucksack selbst hochzutragen. Bei leicht abnehmender Hitze machten wir uns nun, mit und ohne Rucksack auf, die restlichen 700 Hm zur Nürnberger Hütte hinter uns zu bringen. Freudig war das Wiedersehen, schließlich kannten wir uns noch vom letzten Jahr und unsere Rucksäcke? Die waren noch nicht da, kamen aber kurze Zeit später an.

Tag 2: Nürnberger Hütte – Bremer Hütte

Nachdem es in der Nacht ein heftiges Gewitter gab, starteten wir unseren zweiten Tag bei bedecktem Himmel um 8:00 Uhr gemütlich. Haben wir doch heute die kürzeste Etappe mit ca. 4,5 Stunden Gehzeit und nur 650 Hm Auf- und Abstieg vor uns. Zunächst folgten wir kurz der Freiger-Route zum Langentalbach. Über die Brücke zur anderen Talseite stiegen wir über Platten auf. Vorbei Schwemmböden mit ihren kleinen Seen auf 2400 m, die auch „Paradies“ genannt werden. Über Drahtseile versicherte Serpentinen stiegen wir hoch zum höchsten Punkt am Simmingjöchl auf 2754 m wo die alte Zollhütte steht. Hier war eine Rast und Vesper angesagt. Der Abstieg auf der Ostseite begann mit einer grimmig steilen, aber gesicherten Rinne. Hier war Vorsicht angesagt! Nach einigen Kehren ging der Weg in eine Querung über und weiter in Richtung Bremer Hütte, die wir bereits gegen 13:00 Uhr erreichten. Für unseren Uwe war dies natürlich zu wenig, er machte noch einen Abstecher auf die Innere Wetterspitze 3053 m. Wegen der tiefen Wolken und der schlechten Sicht kehrte er kurz vor dem Gipfel um. Dies war sehr vernünftig, da er alleine und die Spitze sehr ausgesetzt war. Einige von uns nahmen noch ein kühlendes Bad im nahegelegenen Lautersee – von der Hütte in 30 Minuten erreichbar.

Tag 3: Bremer Hütte – Innsbrucker Hütte

Am dritten Tag starteten wir um Punkt  7:30 Uhr bei herrlichem Wetter. Dies war auch gut so, hatten wir doch heute die Königsetappe mit 6,5 – 7 Std. reine Gehzeit vor uns. Eine Etappe, bei der passionierte Höhenwanderer voll in ihrem Element sind. Noch an der Bremer Hütte mussten wir uns entscheiden, Kamin oder nicht Kamin! Wir sind „Bergsteiger“ und entschieden uns für den Kamin. Bereits nach 15 Minuten erreichten wir den als Klettersteig ausgebauten Kamin (Grad B) den wir alle, einer nach dem anderen mit Umsicht gut meisterten.

Danach ging es Richtung Lautersee, anschließend in die Karbucht und nach einigen Kehren traf unsere Route auf den Normalweg. Stundenlang folgten wir dem Pfad quer durch die Berglehnen des Habichtkamms, in Sichtweite gegenüber immer die kühn geformten Tribulaune. Nach dem ersten Abstieg zur Simmingalpe ging es wieder hoch auf 2530 m zum Trauljöchl. Durch einen Blockhang ins Plattental und weiter runter in die Trauler Bockgrube. An der Wasenwand, die mit Drahtseilhilfen versehen war, hoch und über einen Schräganstieg auf 2511 m zur Kanzel der Pramarnspitze.

Nun war erst mal Mittagspause und eine ausgiebige Rast angesagt. Danach ging es mit dem Auf und Ab weiter. Zunächst folgte ein Abstieg in die Karbucht, weiter durch die Matten der Gamsflecken in den Kessel der Glättegrube. Einmal noch um ein Eck herum und hoch zum Sendesgrat auf 2540 m. Einige meinten schon, hört das denn nie auf? Aber es sollte so sein, waren doch heute 1000 Hm im Auf- und 1000 Hm im Abstieg zu bewältigen. Am Sendesgrat angekommen konnten wir es sehen, unser Ziel, die Innsbrucker Hütte. Wunderschön gelegen auf einem Kamm zwischen Gschnitztal auf der einen und Pinnistal auf der anderen Seite. Mit den Gedanken an ein kühles Radler war der Abstieg von 180 Hm zur Hütte ein Genuss und eine Erleichterung. Glücklich und ein klein wenig stolz waren wir alle, die lange Etappe gut gemeistert zu haben.

Tag 4: die Krönung – der Habicht 3277 m

Der Habicht ist zweifelsohne einer der stolzesten Berge der Stubaier Alpen. Mit ihm den Stubaier Höhenweg abzuschließen ist mehr als würdig und dies war unser Ziel. Bereits 2017 hatten wir davon geträumt und waren voller Hoffnung, dass an diesem Tag das Wetter passt. Nur bei gutem und gesichertem Wetter ist eine Besteigung möglich und es war so! Das Glück war auf unserer Seite.

Vom „Basislager“ Innsbrucker Hütte, auf der wir zwei Nächte gebucht hatten, starteten wir früh um 7:30 Uhr. Auf einem guten Steig ging es zu einem nach links steil abbrechenden Geländerücken. Über Blockschutt näherten wir uns der mächtigen Steilflanke, die erste Felskletterei im 1 – 2 Grad mit Drahtseilhilfen beginnt. Unsere Hände benötigten wir heute nicht um die Stöcke zu halten, wir brauchten sie zum Klettern oder zum Festhalten an den Drahtseilen. Kurze Passagen über Schotter wechselten sich nun mit steilen Platten ab. Die Exponiertheit an machen Passagen war enorm, immerhin fällt der Habicht ins Pinnistal fast 1500 m ab. Auf einer Höhe von knapp 3000 m haben wir die berühmte Firnbucht erreicht. Liegt dort zu viel Schnee, kann ein Sturz böse Folgen haben. Einige von uns wählten deshalb lieber den Weg über den Blockrücken der sicherer und nur wenig weiter ist. Die Bedingungen am heutigen Tag waren gut. Wir folgten den Fußspuren in der Schneemulde und konnten diese sicher überqueren. Über einen flacheren Bergrücken ging es weiter zur Spitze. Bevor wir jedoch das neue Gipfelkreuz erreichten, mussten wir noch einige steile Stufen und Platten die mit Drahtseilen versichert waren überwinden. Um genau 11:20 Uhr standen wir, voller Stolz diesen Berg bezwungen zu haben, unter dem Gipfelkreuz.

Nach einer guten Stunde auf dem Gipfel und einer verdienten Stärkung machten wir uns an den Abstieg. Dieser verlief auf der gleichen Route wie der Aufstieg und verlangte aufgrund der Exponiertheit eine noch größere Aufmerksamkeit. Hinzu kam der ständige „Gegenverkehr“ der an den sehr eng verlaufenden Passagen höchste Konzentration verlangte. Kurz vor 15:00 Uhr waren wir alle gesund und glücklich auf der Innsbrucker Hütte zurück und konnten unseren Kaiserschmarrn genießen. Den hatten wir uns heute aber wirklich verdient!

Tag 5: Abstieg ins Pinnistal

Als würde sich alles wiederholen… nein, diesmal nicht. Bei gutem Wetter konnten wir heute den finalen Talabstieg einleiten. Gemütlich starteten wir um 08:00 Uhr in Richtung Pinnisjoch. Auf einem verbreiterten Serpentinenweg ging es zunächst hinunter zur Karalm und weiter zur Pinnisalm. Bei einer guten Tasse Kaffee und einem sehr lustigen Wirt verbrachten wir die Zeit, bis unsere beiden Shuttle-Busse kamen. Diese hatten wir bereits am Vorabend bestellt um uns den langen Weg hinaus nach Neder zum Parkplatz zu ersparen. Pünktlich um 11:00 Uhr fuhren wir los zum Parkplatz der Elferbahnen und dann weiter in Richtung Heimat. Fünf sehr schöne Tage mit einer super Truppe gingen zu Ende. Wir alle werden noch lange an diese schöne Tour zurückdenken. Der Stubaier Höhenweg ist in jedem Fall sehr empfehlenswert.

Ach, übrigens … alles wichtige dabei …, Wolfgang hatte doch tatsächlich seinen DAV-Ausweis im PKW liegen lassen. Er merkte es erst, als er die erste Hüttenübernachtung bezahlen wollte. Was nun? Es ging trotzdem gut, alle Hüttenwirte sahen in ihm ein langjähriges DAV-Mitglied! Hat er irgendwo seine Mitgliedsnummer tätowiert? Wer weiß?

> Reinhold Hauler und Wolfgang Ströhla

2019-02-02T08:28:17+02:00Fotos, Tourenbericht 2018|